Superintendent Demski blickt auf Reformationsjubiläum zurück


Nun ist es also geschafft: Mit vereinten Kräften haben wir uns in Kirchenkreis und Gemeinden an die Reformation vor 500 Jahren erinnert. Die Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises haben ein vielfältiges und einladendes Programmangebot für die Festwoche vom 9.9. – 17.9.2017 zusammengestellt, dazu kamen Gottesdienste, Konzertveranstaltungen und andere Einladungen vor allem im Umfeld des Reformationstages.
Das war schon eine tolle Geschichte und ich blicke sehr dankbar und freudig auf diese Tage zurück. Insgesamt ist es gut gelungen, das Reformationsjubiläum auch in unserer Region bekannt zu machen. Die Vielfalt der Veranstaltungen hat viel Staunen und Anerkennung hervorgerufen. Hier zeigte sich eine Kirche, die offen ist für neue Formate und Erwartungen, die auch Kinder und Jugendliche nicht übersieht und von der Begeisterung für das Evangelium bewegt ist. Wie schön und verheißungsvoll wäre es, wenn wir als Kirche im Bergischen Land viel öfter in solcher Weise zusammenarbeiten und uns über die eigenen Grenzen hinweg verbinden würden! Ein erster Schritt könnte sein, dass manche Veranstaltungen so gute Erfahrungen vermittelten, dass man mögliche Wiederholungen in Erwägung zog.
In sehr glaubwürdiger Weise konnten wir umsetzen, das Reformationsjubiläum nicht gegen und auch nicht ohne die katholische Kirche, sondern in ökumenischer Verbundenheit zu begehen. Da hätte man sich auch gefährlich vergreifen können! Und zuletzt war der große Abschlussgottesdienst in der Wagenhalle wirklich so etwas wie der Höhepunkt des Jubiläums und der gemeinsame Aufbruch.

Natürlich zeigen sich dem kritischen Blick des Betrachters auch Schwachpunkte: Das Programmheft hätte übersichtlicher und einladender sein können und hat den eiligen Leser überfordert. Die Zahl der Gemeindeglieder, die wirklich auch Veranstaltungen in anderen Gemeinden besucht haben, war sehr überschaubar. Symptomatisch vielleicht die Erfahrung, dass von den 20 Thesentüren nur 11 den Weg in die Ausstellung gefunden haben.
Insgesamt gab es einige große und gut besuchte Veranstaltungen, andere fanden nur wenige Besucher – wie unsere Kirche so ist. Hätte man besser die Veranstaltungen aufs ganze Jahr verteilt, statt alles auf eine Woche zu konzentrieren, wurde gefragt. Der „Abend der Begegnung“ begeisterte durch die Kreativität und den Ideenreichtum: ein stimmungsvoller und abwechslungsreicher Abend. Gerne hätten wir damit auch mehr „Vorübergehende“ angesprochen: Doch ein Jubiläum ist wahrscheinlich immer zunächst für die Beteiligten von Bedeutung.
Der Schlussgottesdienst in der Wagenhalle war ein sehr schöner und gelungener Abschluss der Woche. Mit nahezu 2000 Teilnehmenden war die Wagenhalle gut gefüllt, die etwa 100 spielenden Kinder im Hintergrund der Halle gehörten in erfreulicher Selbstverständlichkeit dazu und die musikalische Vielfalt im Kirchenkreis füllte den säkularen Raum mit geistlicher Atmosphäre. Organisation und Ablauf fanden viel Anerkennung, in den Bussen fühlte sich mancher an „Kirchentagsstimmung“ erinnert. „Dass Evangelische auch feiern können“, war für manche an diesem Tag eine neue Erfahrung. Allen Beteiligten an den Veranstaltungen der Woche gebührt herzlicher Dank und Anerkennung!

Nach dem Reformationsjubiläum geht der Auftrag der Reformation weiter. Wir haben hier und da die Begeisterung und Dynamik gespürt, die sich im gemeinschaftlichen Leben und Feiern des Glaubens entfaltet. Das Hören auf die Schrift und das Vertrauen auf Christi Gegenwart gehen als Ermutigung mit uns.
Nach dem Auslaufen der „Themenjahre der Reformationsdekade“ wäre es gut, eigene Themenschwerpunkte für die Arbeit im Kirchenkreis zu setzen. Für das Jahr 2018 liegt das Thema „Krieg und Frieden“ nahe: wir gedenken des Kriegsendes vor 100 Jahren sowie des Beginns des 30-jährigen Krieges vor 400 Jahren. Vielleicht bringt uns dieses Thema noch einmal näher mit Menschen außerhalb der Kirche zusammen, denn das Thema geht uns alle an. Als Kirche haben wir dazu aus unserem Glauben und unserer Geschichte heraus vieles einzubringen in die Gespräche mit anderen gesellschaftlichen Gruppen. War das Reformationsjubiläum eher eine Festigung und Vergewisserung nach innen, so könnte mit diesem Jahresthema auch der Brückenschlag zu kirchenferneren Gesprächspartnern gesucht werden.

Hartmut Demski
Superintendent