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Reformierte Gemeindegeschichte

Reformierte Gemeindegeschichte

Die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Radevormwald          

ist mit über 400 Jahren die älteste Gemeinde in Radevormwald die der evangelischen Landeskirche im Rheinland angehört.

Adolf Sundermann aus Radevormwald wurde im Jahr 1577 zum Priester geweiht. Im Jahr 1591 bekannte er sich zur reformierten bergischen Synode, damit war die Gemeinde reformiert.

Zweiter Pfarrer war Arnold Pollich. Er unterzeichnete 1592 das Bekenntnis des Kölner Konvertiten Stephan Isaak, ein Bekenntnis in engster Anlehnung an den reformierten Heidelberger Katechismus.

Grundlage der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde ist die Bibel, wie sie uns in ihren Teilen überliefert ist: dem Alten und dem Neuen Testament.  Das Lehr- und Bekenntnisbuch der Gemeinde ist der Heidelberger Katechismus.

 

Ein interessantes Datum ist 1613.

Die bis dahin verwendete Hostie wurde durch Weißbrot ersetzt. Wir verwenden heute 410 Jahre später immer noch frisches Brot zum Abendmahl.

Dies war nach Ansicht der Lutheraner im Kirchspiel der eigentliche Schritt zum Calvinismus am Ort und führte zur Abtrennung der Lutheraner.

Durch diesen Beschluss wurde den Gemeinden die Unterschiede zwischen Reformierten und Lutheraner bewusst und der Streit begann.

 

Im Jahr 1625 wurde Radevormwald von katholischen Truppen besetzt. Kaplan Arnold Grooteford brachte es so weit, dass Sundermann und Pollich verhaftet wurden. Damit erlosch zugleich das Recht der Reformierten auf öffentliche Religionsausübung, die Kirche wurde der katholischen Kirche übergeben.

 

Im Jahr 1650 wurden die Rechte der Gemeinde wiederhergestellt, 1651 erhielt die Gemeinde ihren Kirchenbesitz zurück.

Die Nutzung der Pfarrkirche wurde somit den Reformierten eingeräumt, was Quelle langjähriger Konflikte mit starken lutherischen Elementen im Kirchspiel sowie einer kleinen katholischen Minderheit am Ort wurde, da diese konfessionellen Gruppen weiterhin ohne öffentliche Anerkennung und Rechtsstatus blieben.

 

Im Jahr 1672, erhielt die lutherische Gemeinde das Recht auf freie Religionsausübung.

Im Konfessionsvergleich zu Remlingrade“ wurde dazu festgelegt, dass die Reformierten in der Stadt und die Lutheraner in Remlingrade ihre Religion frei ausüben durften.

Erst im Jahr 1707 wurde der lutherischen Kirchengemeinde der Bau einer Kirche in der Innenstadt von Radevormwald genehmigt. Damit endete der Konfessionsvergleich.

 

*Quelle: Schriftenreihe der Ev- reformierten Gemeinde Heft 7; Schriften zur Geschichte der Stadt und ihrer Kirchengemeinden, „Stadt und Kirchengeschichte Radevormwalds bis 1650— Übersicht von P.A. Heuser“

 

Im Jahr 1802 wurden die reformierte und die lutherische Kirche bei einem verheerenden Stadtbrand ein Opfer der Flammen. Die lutherische Kirche wurde auf den stehen gebliebenen Mauern wieder erbaut, die reformierte Kirche musste komplett neu gebaut werden.

Die Geldmittel (8.483 Taler) hatten der lutherische Pfarrer Carl Immanuel Westhoff zusammen mit dem reformierten Pfarrer Peter Termetz auf einer Kollektenreise im Jahre 1803 beschafft, die sie bis nach Holland führte, wo sie allein in Amsterdam 10.394 Gulden für den Wiederaufbau beider Kirchen zusammenbekamen.

 

Reformiert- was ist das eigentlich?

Dies wird durch die aufgeschlagene Bibel zum Ausdruck gebracht.Das reformierte Bekenntnis und damit zusammenhängend die einfache Gottesdienstform sowie den Heidelberger Katechismus als Bekenntnisbuch sollen erhalten werden.

Die gesamte Entwicklung der reformierten Kirche, das heutige Verständnis für die reformierte Theologie und die Art und Weise wie das „reformiert-sein“ gelebt wird kann nicht auf einigen wenigen Seiten beschrieben werden. Wir möchten Ihnen hier erste Informationen geben und Sie neugierig machen auf die Reformierten.

Die evangelisch-reformierte Kirche geht zurück auf die Reformation in der heutigen Schweiz, vor allem in Zürich und Genf. Ulrich Zwingli’s große reformatorische Entdeckung war, zunächst ganz unabhängig von Luther, die Einzigartigkeit der Autorität der Bibel.

Die Struktur der Evangelischen Kirche im Rheinland ist reformiert geprägt. Die Gemeindeleitung liegt innerhalb der Gemeinde, deshalb steht die Landeskirche nicht „über“ den Gemeinden. (1)

Im zweiten Gebot heißt es (2. Mose 20, Vers 4): „Du sollst dir kein Bildnis machen.“ In der lutherischen und katholischen Tradition wurde dieses Gebot aus den Katechismen gestrichen, da Gott selber in Jesus Christus in diese Welt gekommen ist und sich so sichtbar gemacht habe. Die Reformierten haben dieses Gebot durch das Kommen Christi nicht in Frage gestellt, sondern eher noch bekräftigt gesehen. Das Bekenntnis der deutschen Reformierten der Heidelberger Katechismus formuliert, dass die Bilderverehrung deshalb problematisch ist, weil Gott nicht in Bilder gefasst werden kann. (1)

Du sollst dir kein Bildnis machen- das kennzeichnet bis heute die meisten reformierten Kirchengebäude, deren Innenraumgestaltung recht schlicht gehalten sind. Aber es wäre zu wenig nur die Kirchenräume zu sehen.

Alle gemalten Bilder, aber auch Bilder, die wir im Kopf haben, wollen etwas ‚anschaulich‘ machen. Das gehört zum Menschen dazu: dass er etwas anschauen, begreifen, in den Griff bekommen will. Hier markiert das zweite Gebot eine gefährliche Tendenz. Seine theologische Grundaussage zielt darauf ab, Gott nicht zu vereinnahmen, Gott nicht auf etwas festzulegen. (2)

Die Bibel als „Grundlage des Lebens und der Christen“.

Was dieser Satz beinhaltet wird in der gesamten Reformation betont und herausgestellt: Allein die Heilige Schrift hat Autorität.

Der reformierten Theologie ist die Erkenntnis wichtig: Zur Bibel als der heiligen Schrift gehört das Alte Testament genauso wie das Neue Testament. Denn das Kommen Jesu Christi ist nicht isoliert zu verstehen, sondern es gehört hinein in die Geschichte des Bundes Gottes mit seinem Volk und mit seiner Schöpfung. (2)

Was die reformierte Tradition heute einzubringen hat.

Die Kirche muss Gemeindekirche sein, aus reformierter Sicht gibt es kein eigenständiges Interesse an Großstrukturen. Die Gemeinde vor Ort ist die vorrangige Gestalt der Kirche. Von hier aus muss sie geprägt werden.

Die Ordnung der Gremien sollte von dem Kerngedanken der Geschwisterlichkeit innerhalb der Kirche geprägt sein.

Entscheidungen innerhalb der Kirche sollten transparent sein.

Kirche muss „Kirche der Wortes“ bleiben. Kirche ist weit mehr als ein Zusammenschluss von Menschen, die sich aus Sympathie oder gemeinsamen Interesse zusammenfinden. Die Kirche ist da, wo auf Gottes Wort gehört wird. (3)

Die Texte wurden mit freundlicher Genehmigung folgenden Quellen entnommen:

(1) Der Broschüre: „evangelisch-reformiert, eine Kirche stellt sich vor“ herausgegeben von der evangelisch-reformierten Kirche Leer, Verfasser Prof. Dr. G. Plasger

(2) „Reformierte Orientierungspunkte, von Prof. Georg Plasger

(3) Vortrag von Pfarrer Dr. Jochen Denker, Ronsdorf